Kloster Dobbertin

Das denkmalgeschützte Kloster Dobbertin bei Goldberg im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern liegt auf einer Halbinsel am Nordufer des Dobbertiner Sees und ist durch den Klosterpark mit dem Ort Dobbertin verbunden. Es war eines der größten Nonnenklöster des Benediktinerordens in Mecklenburg. Nach der Umwandlung 1572 in ein adliges Damenstift wurde das nunmehrige Landeskloster mit seinem neu gebildeten Klosteramt bis zu dessen Auflösung 1918 zu einem der größten und reichsten Wirtschaftsunternehmen in Mecklenburg. Heute wohnen dort Menschen mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung. Denkmalgerecht sanierte „Damenhäuser“, neu errichtete Werkstätten für Behinderte sowie eine Schule für individuelle Lebensbewältigung in den sanierten Klausurgebäuden kennzeichnen die heutige Einrichtung des diakonischen Werkes. Das Kloster Dobbertin ist in seiner Gesamtheit eine der am besten erhaltenen Klosteranlagen in Mecklenburg und wird im Jahr 2020 sein 800-jähriges Bestehen feiern können.

Klosterkirche Dobbertin

Der Bau der ersten Kirche, vermutlich noch ohne Turm, erfolgte auf der höchsten Stelle der Halbinsel, die in der Gründungsphase des Klosters Dobbertin noch ein stärkeres Bodenrelief besaß, das abgetragen und planiert wurde, um ebenen Baugrund zu schaffen. Der Chor der Kirche lag kaum weiter als 15 m von der ursprünglichen östlichen Uferlinie der Halbinsel entfernt. Die ältesten erhaltenen Baustrukturen an der Südfassade der Kirche, gotische Dienste mit Weinlaubdekor, stammen aus dem letzten Drittel des 13. Jahrhunderts. Bei den baubegleitenden archäologischen Untersuchungen ab 1994 wurden keine Spuren einer hölzernen Kirche gefunden. So wird es sich beim ersten um 1280 begonnenen Kirchenbau wohl schon um einen Steinbau gehandelt haben. Bei späteren Sicherungs- und Sanierungsarbeiten konnten an den Fundamenten der Südseite ältere Baustrukturen festgestellt werden. Die Klosterkirche von Dobbertin wurde bislang von den Forschungen zur mittelalterlichen Architekturgeschichte weitgehend ignoriert, viel zu stark dominiert heute die neugotische Umgestaltung durch Georg Adolph Demmler, in Anlehnung an die Friedrichswerdersche Kirche von Karl Friedrich Schinkel in Berlin. Dabei haben sich im Kern der dieser nahezu vollständigen Ummantelung noch große Teile der mittelalterlichen Saalkirche erhalten, die bislang als Bauwerk des mittleren 14. Jahrhunderts galt. Erst mit den sanierungsbegleitenden Ausgrabungen ab 1994 wurde es klar, dass es sich um eine ältere Kirche handeln muss.

Als Mönchskloster war Dobbertin das einzige Benediktinerkloster im Bistum Schwerin und in ganz Mecklenburg. Nach der Klostergründung wurde als erster Propst 1227 der Ordensangehörige Theodoricus/Dietrich Thedelinus prepositus fratum de Dobrotin genannt. Er ging danach als Propst zum Kloster Rühn. Urkundlich belegt als Prepositus der andächtigen Jungfrauen sind 1228 Ulrich/Olricus, 1277 Henricus, und 1302 Arnold mit eigenem Siegel. Mit der Umwandlung in ein Nonnenkloster gleichen Ordens erhielt Dobbertin 1234 das Recht der freien Wahl von Propst und Priorin. Diese Reihenfolge ist zugleich auch eine Rangfolge und unterstreicht die Bedeutung des Propstes als Mann in einem Frauenkloster. Er nahm auch bei weltlichen Belangen des Klosters eine zentrale Position ein und führte ein eigenes Siegel. Nach 1300 wurde erstmal eine Priorissa Gertrudis erwähnt. Was wäre das Benediktinerkloster ohne seine Pröpste, Pastoren und Prediger. Sogar im Vatikanischen Geheimarchiv beim Papst in Rom wurden Klosterurkunden von 1481 gefunden. Bis zur Reformation konnten 44 Pröpste nachgewiesen werden. Zum Kirchenbau und den Veränderungen an und in der Kirche aus diesen Zeiten ist nichts zu erfahren. Während der Reformation war besonders aus dem Kloster in Dobbertin von heftigem Widerstand zu hören. denn dort stand bei den Nonnen der Papismus nach wie vor in voller Blüte. Fast zwanzig Jahre weigerten sich die 26 Nonnen adliger Herkunft mit ihren 10 Konversen, den evangelischen Glauben anzunehmen. Über den Propst Eberlein wurde nach der Visitation 1557 vermerkt: er sei ein ungeschickter Mensch, der keinen Grund der christlichen Lehre anzuzeigen wusste und im Examenallzeit übel bestand, fast alt und unfleißig, den die Jungfrauen gar nicht haben wollten. Nach 1570 war Joachim Krüger evangelischer Pastor in Dobbertin. Das neue Prediger-Haus mit Scheune, Viehstall und Backhaus wurde ab 1755 durch die Handwerker vom Klosteramt errichtet.

Die erste evangelische Klosterordnung für das nach der Reformation nun Landeskloster gewordene ehemalige Nonnenkloster ist von 1572. In den drei Jungfrauenklöster Dobbertin, Ribnitz und Malchow wurde für die dortigen evangelischen Damenstiften am 10. Dezember 1610 eine revidierte Ordnung mit 26 Paragraphen eingeführt.[19] Für die Einhaltung dieser Ordnung gegenüber dem Konvent war die auf Lebenszeit gewählte Vorsteherin, in Dobbertin Frau Domina, verantwortlich. 1608 übernahm der erst 29 jährige Enoch Zander von seinem Schwiegervater Peter Röbelmann die Pfarrstelle in Dobbertin. Von seinen acht Kindern starben während der Kriegsjahre vier an der Pest. Sein Sohn Petrus wurde 1635 mit 16 Jahren als Student der Theologie an der Universität zu Rostock immatrikuliert. Als im Frühjahr 1638 auch seine Eltern an der Pest starben, wurde Petrus Zander durch Befürwortung des Klosterhauptmanns Paschen von der Lühe mit erst 19 Jahren zum Pfarrer in Dobbertin berufen. 1640 war er als Pastor für das Klosterangelegenheiten in Stockholm, wo er durch die schwedische Königin Christina geadelt werden sollte, wenn er als Pastor an der dortigen deutschen Kirchgemeinde bleiben würde. Er kam mit einem am 16. August 1640 für das Kloster Dobbertin ausgehandelten Schutz- und Schirmbrief und 100 Reichsthalern wieder nach Dobbertin zurück. Bis 1672 waren 64 Jahre lang nur Pastoren aus der Zanderfamilie in Dobbertin tätig. In Mecklenburg waren aus acht Generationen Zander-Pastoren in Dobbertin, Woosten, Brüz und Güstrow im Amt.

äußere Klosterkirche

Die Klosterkirche ist heute ein langgestreckter, einschiffiger Backsteinbau mit hohem, schlanken Innenraum von sieben Jochen mit 5/8-Chorschluss, im Kern noch 14. Jahrhundert. Im Innern kreuzrippengewölbt, wird sie im Westteil von einer massiven Empore, der Nonnenempore, bestimmt. Die Decke der zweischiffigen Unterempore mit steil ansteigenden Kreuzrippengewölben ruht auf achteckigen Granitsäulen mit schlichten Kapitellen.Der ursprüngliche Feldsteinbau der Klosterkirche – vermutlich ohne Turm – entstand Ende des 13. Jahrhunderts. Begonnen wurde um 1275 als dreischiffige Kirche, wie die um 1280 entstandenen Arkadenbögen mit aufwendigem Backsteindekor belegen. Nach der Umwandlung in ein Nonnenkloster erfolgte ein Planwechsel beim Kirchenbau. Die vorgesehene dreischiffige Klosterkirche wurde nach 1280 als langgestreckter gewölbter Saalbau mit einer vier Joche einnehmenden Nonnenempore und schmalen Kapellenanbauten weitergebaut und wohl im späten 13. Jahrhundert vollendet. Nach der Vollendung der vier Klausurgebäude mit den Kreuzgängen sind bis zur Reformation und der Auflösung des Nonnenklosters 1572 keine weiteren Veränderungen an und in der Klosterkirche überliefert. 1649 war der Turm der Kirche nach schwerem Sturm stark beschädigt und große Teile des Daches fehlten. Nach einer 1738 durchgeführten „unordentlichen Priesterwahl“ ließ der Provisor und spätere Klosterhauptmann Jobst Hinrich von Bülow von 1746 bis 1749 die Oberkirche mit der Nonnenempore restaurieren. Die Kirchweihe nahm Pastor Christian Hintzmann am 29. Juli 1748 vor.

Die mittelalterliche Kirche des Klosters wurde ab 1828 unter Leitung des späteren Schweriner Baumeisters Georg Adolf Demmler erweitert und umgebaut. Er nutzte dabei einen Entwurf des Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel, wie die Inschrift auf der Gedenktafel mit Namen und Daten auf der südlichen Turmspitze belegt. Das äußere mittelalterliche Mauerwerk des Kirchenschiffes wurde mit einer neugotischen Backsteinarchitektur ummantelt und 1851 vollendet. Als Vorbild dienten hier Schinkels Entwürfe für die ebenfalls als Saalkirche angelegte Friedrichswerdersche Kirche in Berlin. Die Fassaden der Dobbertiner Kirche wurden dabei durch schlanke Strebepfeiler, hohe Spitzbogenfenster und Brüstungsgalerien gegliedert. Den Abschluss auf den Wimpergen und Filialtürmchen bilden Kreuzblumen aus Terrakotta. Der Anbau für die Orgelempore an der Nordfassade hat ein großes Kreisfenster mit Pentagramm als Maßwerk. Der Fünfstern am sogenannten Demmlergiebel soll Demmlers Zugehörigkeit zur Freimaurerloge Harpokrates zur Morgenröthe in Schwerin dokumentieren. Das Westportal der Doppelturmanlage wurde 1837 vollendet und beide Türme mit ihren achtseitigen massiv gemauerten Kegelhelmen noch mit vergoldeten Kreuzen versehen. Die Türme verbindet eine Plattform, auf der auch das Schlagwerk für die Kirchenuhr steht. Der große Spitzbogen über dem Portal beider Durchgänge wird seitlich von Strebepfeilern mit Spitzhelmen und Kreuzblumen flankiert. Die Durchgänge werden von Halbrundsäulen mit von Blattranken verzierten Kapitellen gerahmt. Über Ihnen befinden sich drei Kreisfenster mit Fischblasenmaßwerk. Mit dem weiteren äußeren Kirchenumbau betrauten die Klostervorsteher den Dobbertiner Amtsmaurermeister Christian Johann Rezlaff und seine Helfer. Die 1923 vom Dobbertiner Malermeister Gustav Awe gemalte alte Klosterkirche mit Holzturm.

Von der alten Dachkonstruktion und dem hölzernen Glockenturm vor dem Umbau zur heutigen Kirche sind keine Unterlagen erhalten. Nach einer Besichtigung des Kirchendachstuhles am 3. Januar 1856 wurde durch die Klostervorsteher entschieden, der später eingesetzte Tannen-Holz-Stuhl kommt heraus, doch die alten Eichenbalken bleiben. Der neue Dachstuhl als Kreuzstrebendach wurde im Sommer 1856 errichtet. Der seit 1854 für den inneren Umbau der Kirche zuständige Wismarer Architekt und Privatbaumeister Heinrich Thormann fragte am 9. März 1856 den Klosterhauptmann Otto Julius Freiherr von Maltzan, ob er eine Winde zum Richten des Kirchendaches besorgen solle. Damit könne auch schneller der alte Abbund heruntergenommen werden. Eine vergoldete Kugel mit Hahn als Wetterfahne wurde 1856 auf dem Dachfirst am Chor aufgesetzt. Statt der vormals roten und porösen Dachziegel, die recht störend auf das Gesamtbild der neuen Kirche wirkten, wurde grauer Schiefer als farblich stimmende Dachdeckung genommen. Der Schiefer kam per Schiff aus Wales, wie der Lieferschein Nr. 23 vom 26. April 1856 an Konsul Hermes und Thormann in Wismar belegt...80 000 Schieferplatten gut geladen mit der Dorothey Mary von Port Madoc aus Wales ankommend in Wismar gelöscht. Im Rechnungsbuch des Klosteramtes von 1856 vermerkte der Küchenmeister Wilhelm Schultz als Finanzbeamter unter Ausgaben zu Neubauten für das neue Dach auf der Klosterkirche 1064 Courant bezahlt. Bei Abnahme der durch sowjetische Soldaten 1945 zerschossenen Wetterfahne am 8. November 1990 fand man in der Kugel 20 meklenburgisch-schwerinsche Silber- und Kupfermünzen aus den Jahren 1830–1855, eingerollt in Papier mit Siegelaufdruck vom Großherzog Friedrich Franz I. Die Restaurierung und Neuvergoldung der ungeöffneten Kugel mit der Wetterfahne erfolgte im Sommer 2015 durch den Metallrestaurator Thomas Fischer aus Mühlen Eichsen. Das heutige Schieferdach wurde 1990 durch die Dachdecker der Plauer Bauhandwerker mit Rathscheck-Schiefer aus der Grube Katzenberg bei Mayen in der Eifel neu eingedeckt.

Die Fenster des Langhauses wurden beim Umbau 1856 nicht erneuert. 1876 fielen bei starken Winden die großen Rechteckscheiben in die Kirche, da auch die Holzrahmen schadhaft waren. Nach der Erneuerung sollten die restlichen Fensterscheiben in der Patronatskirche Mestlin Verwendung finden.[36] 1877 waren die ersten fünf Bleifenster mit Rautenglas eingesetzt, für die restlichen fehlten die Formsteine an den Fensterlaibungen. In den Jahren von 1922 bis 1928 traten diverse Schädigungen an Maßwerken, Brüstungen, Fialtürmen, Kreuzblumen und Bekrönungen der Fassaden und Türmen auf. 1929 bis 1930 erfolgten die Reparaturen in teils vereinfachter Form. Von 1945 bis 1947 nutzten sowjetische Soldaten das Kloster als Kaserne. Durch einen Brand wurde 1946 der innere südliche Turm der Kirche stark beschädigt und Teile des angrenzenden östlichen Klausurgebäudes vernichtet. Im Jahr 1977 wurde die gesamte Klosteranlage mit Park und Friedhof unter Denkmalschutz gestellt. Seit Jahrzehnten wurden zahlreiche Schäden, besonders Witterungsschäden an den Fassaden, der Dachkonstruktion und den Gewölben festgestellt, die 1979 zur baupolizeilichen Sperrung der staatlichen Klosterkirche führten. Von 1990 bis 2006 wurden an den Fassaden der Klosterkirche und der Doppelturmanlage Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten durchgeführt. Die innere Restaurierung wird seit 2016 weitergeführt.

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