Corvinuskirche Hannover

Die Corvinuskirche in Hannover-Stöcken war eine unter Denkmalschutz stehende evangelisch-lutherische Kirche. Der nach Anton Corvinus benannte Bau wurde in den Jahren 1960 bis 1962 nach Plänen des hannoverschen Architekten Roderich Schröder errichtet, 2012 entwidmet und 2021 abgerissen. Der Zentralbau hatte den Grundriss eines regelmäßigen Fünfecks. Er wurde flankiert von einem frei stehenden Glockenturm mit einer Höhe von 37,5 Metern. Die Gebäudeform erinnerte an ein Zelt und spielte damit auf das wandernde Gottesvolk in der Wüste an. Die Corvinuskirche befand sich in exponierter Position auf dem Eckgrundstück Moorhoffstraße/Hogrefestraße in Hannover-Stöcken. In der Geometrie des Baukörpers waren die Achsen des zeltartigen Kirchendaches um 36 Grad zum Grundriss gedreht. So fluchteten die fünf Firstkanten auf die Mitten der Außenwände und bildeten im Schnitt mit den Wandflächen Giebeldreiecke aus. Die rautenförmigen Dachflächen wurden zu den Gebäudekanten abgeschleppt und in den wechselnden Ansichten bildete sich ein lebhaftes Auf und Ab der Traufkanten. Zwei der fünf Raumseiten waren großflächig bis zur Traufkante geöffnet und belichteten den Innenraum durch Fenster aus farblosem Industriedrahtglas, das in getrepptes Betonmaßwerk gefasst war. Die Materialien – Sichtbeton für die Tragkonstruktion, Ziegelmauerwerk für die Ausfachung und dunkler Naturschiefer für die Dachdeckung – unterstrichen ihre jeweilige Funktion und verbanden moderne mit traditionellen Baustoffen. Auf Dekor, Verkleidungen und Farbigkeit wurde völlig verzichtet – der Baukörper wirkte durch die offenliegende Geometrie des Tragwerks, die auch im Inneren bis in die Dachspitze sichtbar war.

Der Glockenturm auf quadratischem Grundriss nahm mit gedrehtem Kegeldach das Gestaltungsprinzip des Kirchendachs auf. Die für vier Glocken ausgelegte Glockenstube trug drei Glocken, die bereits 1949 geweiht, zuerst noch in einem provisorischen Glockenturm direkt an der Moorhoffstraße untergebracht waren. Turm und Sakristei waren über Verbindungsgänge an den Kirchenraum angeschlossen. Auch im Inneren dominierten die außen verwendeten Materialien, ergänzt durch helles naturbelassenes Holz in den Deckenkassetten und der Emporenbrüstung. Die Kirchenbänke mit Holzauflagen auf Betonwangen boten Platz für 350 Personen. Die Ausrichtung der beiden durch einen Mittelgang getrennten Bankfelder war dem Winkel der hinteren Wände folgend einander zugewandt und bezog sich auf den Altar. Sie betonte damit die Zusammengehörigkeit der Gemeinde ebenso wie die Hinwendung zum Zentrum des Gottesdienstes.

Die geschlossene Altarwand bildete einen ruhigen Hintergrund für den hellen Sandsteinaltar, der links vom Taufbecken gleichen Materials und rechts von einem schlichten Kanzelpult flankiert wurde. Die gesamte Ausstattung ist nach Detailzeichnungen des Architekten ausgeführt worden. In das Ziegelmauerwerk der Altarwand gleichfarbig eingelassen stellte ein dreiteiliges Ziegeltonrelief des Stuttgarter Bildhauers Elmar Lindner die Heilige Dreifaltigkeit dar. Boden und Altarraumpodest aus dunklen Schieferplatten nahmen das Material der Dacheindeckung wieder auf. Im Fußraum der Bänke wurde schwarzer Asphalt vergossen, darunter befanden sich die Warmluftkanäle der Heizung. Die Empore befand sich vor den beiden geschlossenen Rückwänden des Kirchenraums und ließ die Fensterflächen vollständig frei. Sie stützte sich auf schlanke Betonstützen, die so weit zurückgesetzt waren, dass keine Sichtbehinderung eintrat. Erschlossen wurde die Empore durch eine an filigranen Stahlstäben abgehängte Holzstufentreppe. Der Orgelprospekt, in die Brüstung der Empore eingeklinkt, nahm die Deckenneigung in der südwestlichen Ecke des Kirchenschiffs auf. Aus einem zunächst mittelachsigen Entwurf entstand in mehreren Schritten die endgültige linksbündige Staffelung. Erbauer der Orgel ist Detlef Kleuker, Brackwede. Sie wurde am 1. November 1964 geweiht und im April 1967 mit 2 Manualen und 25 Registern fertiggestellt. Die Zeichnungen zum Dachkreuz und Turmhahn stammen vom Architekten, den Bronzegriff am Eingangsportal in Gestalt eines Raben (lat.: Corvinus) entwarf die Hannoversche Bildhauerin Ingeborg Steinohrt.

Auf Betreiben der Landeskirche beschloss der Kirchenvorstand am 9. Dezember 2011 mehrheitlich die Corvinuskirche am Pfingstsonntag 2012 zu entwidmen, obwohl fast zwei Drittel der Gemeindemitglieder aus dem Bereich der ehemaligen Corvinusgemeinde kamen. Der Eintrag der Corvinuskirche in die Denkmalliste veranlasste den Kirchenvorstand nicht zum Überdenken dieser Planung, sondern zur Vorbereitung einer Klage gegen das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege. Darauf legten drei Mitglieder des Kirchenvorstands im Januar 2012 ihr Amt nieder, gleichwohl hielt die Landeskirche am Beschluss zur Entwidmung fest. Zahlreiche Gemeindemitglieder veranstalteten am 8. April 2012 eine Mahnwache für den Erhalt des Baudenkmals als Gotteshaus. Seit ihrer Entwidmung war die Corvinuskirche geschlossen. Stattdessen wurde die Bodelschwinghkirche genutzt, bis auch diese 2021 entwidmet und 2023 abgerissen wurde. Am 29. Januar 2023 gaben die Gemeinden Ledeburg/Stöcken und Herrenhausen/Leinhausen in Gemeindeversammlungen bekannt, dass beide Gemeinden zum 1. Januar 2024 fusionieren werden.

Im Juli 2021 wurden die drei Glocken der Corvinuskirche aus dem Turm demontiert. Sie wurden Ende 2022 an die Dobbertiner Klosterkirche verkauft und werden dort 2023 in der Doppelturmanlage aufgehängt werden. Im August 2021 wurden die beiden Kreuze auf dem Gemeindehaus und dem Kirchdach demontiert und eingelagert. Der Wetterhahn des Turmes wurde ebenfalls demontiert. Die Abbrucharbeiten begannen im September 2021. Am 4. Dezember 2021 wurde der Kirchturm unter Einsatz von 8 kg Sprengstoff zum Fallen gebracht. Eine Neubebauung des Geländes findet auf Grund der Baukostenexplosion in den nächsten Jahren nicht statt. Stattdessen wird geprüft, wie das Gelände anderweitig nutzbar gemacht werden kann.

Fotos by Schröder, Börner, Littmann & Wamsiedler

Die Kirchengemeinde

Fast sechs Jahrzehnte lang prägte die Corvinuskirche mit ihrem Glockenturm das Eckgrundstück an der Moorhoffstraße; fünf Jahrzehnte lang diente sie der evangelischen Kirchengemeinde als geistliches Zentrum, bis sie auf Anordnung Kirche leitender Gremien entwidmet und aufgegeben wurde. Im Laufe des Jahres 2021 wurde das gesamte Grundstück geräumt, um Platz für den Neubau eines Gemeindezentrums und einer Kindertagesstätte zu schaffen. Insbesondere die Niederlegung des Turms mittels Sprengung am 4. Dezember 2021 hat dabei für besonderes Aufsehen gesorgt und viele Gemeindeglieder persönlich berührt. Zu dem Zeitpunkt waren die Planungen für den Neubau bereits weit fortgeschritten. Der Bauantrag war genehmigt. Als kurz vor Ende der Arbeiten zur Baufeldfreimachung die Ausschreibungsergebnisse vorlagen, zeigte sich, dass eine Umsetzung des Projektes aufgrund der dramatischen Kostenexplosion im Bauwesen nicht finanzierbar ist. Da sich diese Entwicklung im Laufe des Jahres 2022 durch den Krieg in der Ukraine deutlich zugespitzt hat, sah der Kirchenvorstand sich schließlich gezwungen, von den bisherigen Planungen Abstand zu nehmen. Seit März 2022 steht der "Auf-Bau-Wagen" auf dem Baugrundstück als Symbol dafür, dass die ungewisse Gebäudesituation keineswegs das Ende kirchlicher Präsenz in Stöcken bedeutet. Davon zeugen auch die übrigen Seiten dieser Homepage.

Rund 3.400 Gemeindeglieder zählt die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Ledeburg-Stöcken. Große und Kleine, Junge und Alte, Alteingesessene und Migranten - die Vielfalt in der Gemeinde ist in Worten kaum zu fassen. Miteinander verbunden sind wir durch die Taufe und den Glauben an den dreieinigen Gott. Wir stehen in der Tradition des von Martin Luther geprägten Protestantismus, der in der Reformationszeit durch Antonius Corvinus (deutsch: Anton Rabe) im Calenberger Land eingeführt wurde. Alle sechs Jahre wird der Kirchenvorstand, das Leitungsgremium der Gemeinde, neu gewählt, zuletzt am 11. März 2018. Zwei evangelische Kindertagesstätten/Familienzentren im Gemeindegebiet stehen in der Trägerschaft der Kirchengemeinde bzw. des Stadtkirchenverbandes. Die besondere Situation im Quartier stellt auch die Kirchengemeinde vor besondere Herausforderungen, denen wir uns gern im Zusammenspiel mit anderen Gruppen, Vereinen und Institutionen stellen.

Mehr Informationen finden Sie auf der Seite: www.kirche-am-stoeckener-bach.de
Quelle: Kirchengemeinde Hannover-Stöcken

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